Die Gemeinde Palling befindet sich im östlichen Teil des Bayerischen Molassebeckens, einer Region, die in großer Tiefe umfangreiche Heißwasservorkommen birgt. Diese geothermischen Ressourcen sollen durch Tiefbohrungen erschlossen und nutzbar gemacht werden. Auf Grundlage umfassender geologischer und geophysikalischer Untersuchungen wurde hierfür ein geeigneter Standort bei Allerding, nördlich von Palling, gewählt. Dort ist der Bau eines geothermischen Heizwerks geplant. Die Anlage wird das aus der Tiefe geförderte Thermalwasser nutzen, um die Gemeinde Palling und die umliegende Region mit Fernwärme zu versorgen.
Für das Geothermieprojekt sind bis zu sechs Bohrungen vorgesehen, wobei jeweils eine Produktions- und Reinjektionsbohrung gemeinsam eine Dublette bilden. Eine geothermische Dublette ermöglicht es, heißes Tiefenwasser zu fördern, energetisch zu nutzen und anschließend wieder in den Untergrund zurückzuführen. Mit einer geplanten thermischen Leistung von über 100 MW wird das Heizwerk Palling nach seiner vorgesehenen Inbetriebnahme zur Heizperiode 2028/2029 einen bedeutenden Beitrag zur langfristigen Versorgung der Gemeinde Palling sowie weiterer Städte, Gemeinden und Industrieabnehmer der Region leisten. Die Anlage stellt grundlastfähige und CO₂-freie Wärme bereit. Das Projekt ist damit Teil des laufenden Energiestrukturwandels in Bayern. Ziel dieses Wandels ist der schrittweise Übergang zu einer klimaneutralen Energieversorgung, zu der sich Deutschland mit dem Pariser Klimaschutzabkommen, der Freistaat Bayern mit seinem Klimaschutzkonzept sowie der Landkreis Traunstein im Rahmen des „Energienutzungsplans Wärme“ verpflichtet haben.
Wie bereits bei den nahegelegenen Geothermieprojekten in Traunreut, Kirchweidach, Garching an der Alz, Halsbach, Waldkraiburg und Polling erfolgreich umgesetzt, ist auch für das Geothermieprojekt Palling vorgesehen, die Bohrungen in den sogenannten Malm-Aquifer abzuteufen.
Die Wärme aus Geothermie steht unabhängig von Tageszeit, Jahreszeit oder Witterung kontinuierlich zur Verfügung. Gleichzeitig benötigt die Technologie im Vergleich zu vielen anderen Formen der Energieerzeugung nur wenig Fläche und ermöglicht eine zentrale Bereitstellung von Energie direkt in der Region. Das Geothermieprojekt Palling eröffnet damit Bürgerinnen und Bürgern, Industrie sowie Gewerbetreibenden in der Versorgungsregion die Möglichkeit, fossile Heizanlagen durch klimafreundliche Fernwärme zu ersetzen. Gleichzeitig können die regionale Wirtschaft und Energieversorgung gestärkt sowie die Abhängigkeit von importierten Energieträgern reduziert werden.
Projektträger des Vorhabens in Palling ist die Erdwärme Chiemgau GmbH mit Sitz in München. Das Unternehmen verantwortet Planung, Umsetzung und Betrieb der Anlage. Gesellschafter ist die IKAV-Gruppe, eine deutsche Vermögensverwaltungsgesellschaft, die im Auftrag von Pensionskassen und Versicherungen langfristige Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien tätigt. Ziel ist der Aufbau einer stabilen und nachhaltigen Energieinfrastruktur mit langfristigem Nutzen für die Region.